über 2. Konzert am 4. Februar mit
Bernhard Haas, Orgel
Ein Gespür für Farbkontraste
Mit nur einer Komposition des Meisters setzte diesmal Bernhard Haas, Professor für Orgel an der Stuttgarter Musikhochschule, den Orgelzyklus César Franck fort. Haas präsentierte dessen ausladende A-Dur-Fantasie, in der sich Francks untrüglicher Instinkt beim Gebrauch der Farbkontraste höchst eindrucksvoll artikuliert, als breitflächig angelegte Ouvertüre des Abends.
Dabei nutze der Interpret die individuellen Farbschattierungen der Gaisburger Weigle-Orgel und deren spezifischen Raumklang. Fließende Linie und weit gehend gedämpfte Register ergaben eine schlüssige Wiedergabe.
Danach erklang ein für Bernhard Haas von Johannes Fritsch komponiertes Opus, dessen Titel „IX ´99 X“ auf den Zeitpunkt der Fertigstellung jenes Orgelwerks hinweist. Es besteht vornehmlich aus Tönen, die sich in Farbe, Lautstärke und Höhe verändern. Man vernimmt schwirrende Klangwolken, das dunkel timbrierte Gebrummel von Sechzehnfüßern und Klangfetzen von Zungenstimmen. Das Sich-nicht-Bewegen dieser Musik, das weit gehende Fehlen von Metrik birgt beim Hörer die Gefahr des Ermüdens, des Nachlassens der Aufmerksamkeit.
Gewissermaßen zur Entspannung musizierte Haas anschließend vier ganz und gar unkomplizierte, jedoch ausgesprochen melodische Préludes von Charles Valentin Alkan. Das letzte dieser Folge in d-moll entpuppte sich schließlich als veritabler Reißer! Bachs Triosonate C-Dur wiederum spielte Haas in den Ecksätzen bei rasantem Tempo in virtuoser Manier. Unmittelbar berührend: das empfindsam dargestellte Largo, in dem jede Stimme eine eigenständige Klangfarbe erhielt.
Stuttgarter Nachrichten – 20. März 2001
über 3. Konzert am 18. März mit
Stefan Viegelahn, Orgel
Differenzierte Fantasie
Franck-Orgelzyklus in Gaisburg.
Für bedeutende kirchenmusikalische Ereignisse war die Gaisburger Kirche im Stuttgarter Osten bislang eher weniger bekannt. Nun jedoch hat man einen Orgelzyklus Cäsar Franck ins Leben gerufen, und in der Tat konnte man sich angesichts des dritten Konzertes in dieser Reihe davon überzeugen, dass Kirchenraum und Orgel ihre eigene Atmosphäre haben. Der noch junge Organist Stefan Viegelahn tat in seiner Franck-Interpretation ein Übriges: Differenzierte Agogik zeichnete die Fantasie op.16 aus, und im Schlusssatz der Prélude, Fugue et Variation vermochten ihn auch die kniffligen Skalen der linken Hand nicht von melodischer Feinzeichnung abzuhalten. Allein im Choral E-Dur vermisste man zuweilen groß angelegte Entwicklungen.
Auch Bach gab's im Kontrast zu hören. Choralvorspiele aus dem Orgelbüchlein (Warum braucht das unschuldige „O Mensch, bewein dein Sünde groß“ ein Morendo à la Tschaikowsky?) sowie eine lebendige Wiedergabe der 6. Triosonate - besonders schön hier der eindringliche Dialog der Manualstimmen im langsamen Satz (das nächste Konzert findet am 1.April statt).
wil