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Sommer 2007: Die Reisen von J.S.Bach

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Stuttgarter Zeitung, 23. Juli 2007

Bildungsreisen eines Genies

Auch Genies müssen lernen. Darum geht es in der Konzertreihe in der Gaisburger Kirche. Jörg Halubek, Gewinner des Leipziger Bachwettbewerbs im Jahr 2004, begibt sich in diesem Sommer auf die Spuren von Johann Sebastian Bachs Bildungsreisen.

Die erste Station führte am Freitagabend nach Lüneburg und Hamburg, wo der 15-jährige Bach im Jahr 1700 den Zentralgestalten Georg Böhm und Johann Adam Reincken begegnete. Dass Bach von ihnen lernte, zeigt die Gegenüberstellung der barocktypischen Gattungen. Die Suiten der beiden Vorbilder waren noch ganz im alten Tanzstil mit überschaubarer Form und kompakter Gestaltung verhaftet. Auf dieser Grundlage entwickelte Bach komplexe, stilisierte Werke wie die Französische Suite G-Dur BWV 816, in der sich Kontrapunktik und Virtuosität die Balance halten mit ausgewogener Form und Hochhalten der Traditionen.

Jörg Halubek zelebriert diese Werke auf der Empore der Gaisburger Kirche, in gleichsam familiärem Ambiente, in dem die leiseren Cembalotöne differenzierte Wirkung entfalten. Feine Abstufungen der Register, das Spiel mit Dynamik und Klangfarben beherrscht Halubek ebenso souverän, wie er brillant und virtuos auftrumpfen kann. Und im Gewirr der vielen kleinen Verzierungen, Schnörkel und rauschenden Arpeggien verliert er nie die Übersicht. Das gilt auch für die zweite Konzerthälfte mit den Orgelgattungen Toccata, Fuge und Passacaglia, bei denen vor allem Dietrich Buxtehude Anregungen und Muster lieferte. Der musikhistorische und vergleichende Ansatz dieser Reihe ist so lobenswert wie die musikalische Umsetzung des jungen Organisten und Cembalisten Halubek, der gerade zur internationalen Karriere ansetzt. Eher enttäuschend dagegen die Moderation von Steffen Benz, der über simple Fakten nicht hinauskommt. Sommerliche Eventkultur entsteht durch die Einbindung einer Talkrunde, bei der etwa über die Frage „Wie lernt ein junges Genie?“ diskutiert wird.

Dip